51. Spielzeit | 2017/2018
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Vorwort des Theaterleiters Christian Kreppel 2016/2017

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Theater- und Konzertfreunde,

just im Revolutionsjahr 1848 kann man in Schweinfurt das erste feste Theater ausmachen. Im März 1951 folgte die Eröffnung der Stadthalle. Zehn Jahre später wird am 04. Januar 1961 in einer denkwürdigen Sondersitzung des Stadtrates der Beschluss zur Errichtung eines neuen Theaters getroffen. Ein mutiger und richtungsweisender Schritt, der schon damals bewies, wie hoch der Stellenwert der Künste in unserer durch die Großindustrie geprägten Arbeiterstadt war und ist. Als Architekt wurde Professor Erich Schelling gewonnen, für die Innenausstattung seine Frau Trude Schelling-Karrer. Diese Entscheidung stellte sich als Glücksfall heraus.

In fast zweijähriger Vorbereitungsarbeit ist nun dieser 50. Spielplan entstanden. Ich habe einmal mehr versucht, ein anspruchsvolles Programm zusammenzustellen, das die ganze spannende, auch fordernde Vielfalt und zeitlose Schönheit des Theaters abbildet. Wieder einmal steckt viel Lebenszeit und Herzblut darinnen.

Unser wichtigster Partner im Konzertbereich waren und sind die »Bamberger Symphoniker – Bayerische Staatsphilharmonie«, die im März das 70. Jahr ihres Bestehens gehörig gefeiert haben. In Schweinfurt haben die »Bamberger« zum ersten Mal am 10. und 19. Oktober 1946 konzertiert. Die Familie Schäfer war damals maßgeblich beteiligt, das zu ermöglichen. Was in den siebzig Jahren folgte, ist eine einzigartige künstlerische Zusammenarbeit. In keiner Stadt außerhalb Bambergs hat das Orchester öfter gespielt als in Schweinfurt. Seit vielen Jahren freuen sich die Konzertfreunde auf acht Konzerte pro Saison, die ein höchstes Niveau ermöglichen.

»Was sind die Herausforderungen unserer Zeit? Wir stehen vor epochalen Umwälzungen, die bestehenden Ordungssysteme funktionieren nicht mehr, der Klimawandel beschleunigt sich, die Nationalstaaten implodieren.« Diese Worte des Philosophen Bernd M. Scherer (SZ vom 23.03.2016) bringen es auf den Punkt. Es ändert sich vieles grundsätzlich und viel zu schnell. Den Menschen fehlt in dem offensichtlichen »Durcheinander« die Orientierung. Jeder versucht seine »Schäfchen ins Trockene zu bringen«. Das Vertrauen in die Obrigkeit, die Politik schwindet. Jüngster Auswuchs sind die »Panama Papiere«. Und ist die Flüchtlingskrise überhaupt eine Krise oder nicht viel mehr eine Herausforderung und auch fantastische Chance für uns alle? Ich möchte mich in der kommenden Spielzeit immer wieder mit einem grundsätzlichen Themenkreis auseinandersetzen, den ich »Heimat – Wer ist Wir?« nenne. Ich denke an den in Schweinfurt geborenen Friedrich Rückert, der Zeit seines Lebens auf der erhellenden Suche war nach dem Eigenen im Fremden und dem Fremden im Eigenen. Das stünde uns allen gut zu Gesicht! Wer sind wir? Warum haben wir so viel Angst vor dem Neuen, Fremden, das doch auch Bereicherung sein kann? Das Theater hält hier den Spiegel vor, wie seit zweitausend Jahren, und dazu möchte ich herzlich einladen.

Gleich drei Mal beschäftigen wir uns mit dem Thema 500 Jahre Reformation. Das Bundesjugendorche-ster wird u.a. die »Reformationssymphonie« von Felix Mendelssohn Bartholdy zu Gehör bringen. Das Stadttheater Fürth präsentiert die Uraufführung des Musicals »Luther – Rebell Gottes«. Schließlich zeigen wir das 1970 in Basel uraufgeführte Schauspiel »Martin Luther & Thomas Münzer oder Die Einführung der Buchhaltung« von Dieter Forte in einer Inszenierung des Alten Schauspielhauses Stuttgart. Das politische Explosionspotential des Stückthemas – die Mechanismen der Macht – ist wie gemacht für unsere Gegenwart.

Die Spielzeit wird am 22. September mit der Tourneepremiere von »Terror« (Euro-Studio Landgraf), einem Gerichtsthriller über das Schicksal eines Piloten eröffnet, der eine entführte Passagiermaschine abschießt, um Zehntausende zu retten. Mit seinem dramatischen Erstling ist Ferdinand von Schirach ein Bühnenbestseller gelungen. Die Limón Dance Company aus New York beginnt im 70. Jahr ihres Bestehens die Europatournee in unserem Haus. – Ganz neue Wege begehen wir vom 16. bis 19. November: »Dance is the Key« – »Tanz ist der Schlüssel« ist das Motto der Premiere einer internationalen Tanzgala. Wir zeigen sechs Compagnien und ebensoviele Chroreographien, die in dieser Kombination zum ersten Mal zu sehen sind. Hiermit wollen wir ein Zeichen setzen für die schöpferische Energie unseres Gastspielhauses. – Keine Premiere aber eine Erstaufführung in unserem Haus ist das Gastspiel von Richard Wagners »Die Meistersinger von Nürnberg« vom Landestheater Detmold.

Vergessen Sie nicht den Beginn der Neueinschreibung für Abonnements ab Samstag, den 25. Juni. Dann lade ich herzlich zur Eröffnung der Ausstellung im Theaterfoyer und Präsentation der Festschrift zum Thema »50 Jahre Theater der Stadt Schweinfurt« am Samstag, den 17. September ein. Am 01. Dezember wird der Festakt zum 50. Jahrestag der Eröffnung gebührend von der Anhaltischen Philharmonie Dessau unter der musikalischen Leitung des neuen GMD Markus L. Frank umrahmt. Auf dem Programm steht auch Beethovens 9. Symphonie. »Alle Menschen werden Brüder...« – ein hehrer Wunsch in Zeiten wie den unseren.

Ich danke an dieser Stelle allen Verantwortlichen der Stadt Schweinfurt ebenso sehr herzlich für die geschlossene Unterstützung wie dem Stadtrat. Ein besonderes Dankeschön der Kulturstiftung Schweinfurt, die uns in der Jubiläumssaison unter die Arme greift und allen Anzeigenpartnern. Ebenso dankbar bin ich für den übergroßen Einsatz des ganzen Theaterteams, die fruchtbaren Sitzungen mit dem Konzertbeirat und nicht zuletzt Christoph Thein und Dorothea Constanze Vöhringer für die vielen Stunden zu jeder Tageszeit bei der Erarbeitung des Spielplanbuches. Ich freue mich, dass der Schweinfurter Künstler Heinz A. Böhm für die Gestaltung eines Signets gewonnen werden konnte, das uns die gesamte Jubiläumsspielzeit auf allen unseren Publikationen begleiten wird.

Auf Wiedersehen in Ihrem Theater der Stadt Schweinfurt!

Mit herzlichen Grüßen!
Ihr Christian Kreppel
Theaterleiter