52. Spielzeit | 2018/2019
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Jazz im Theater
mit Unterstützung der Sparkasse Schweinfurt-Hassberge
Das besondere Konzert im Theaterfoyer
Eva Klesse Quartett
Evgeny Ring (Saxophon)
Philip Frischkorn (Piano)
Stefan Schönegg (Bass)
Eva Klesse (Drums)
 
 


»...was die Schlagzeugerin Eva Klesse und ihr Team entwickeln, (...) ist in sich reife, klug durchdachte und zugleich empathisch gespielte Musik.«
Audio

»A rising star on the German jazz scene.«
London Jazz News

Vor genau zwei Jahren veröffentlichte das Eva Klesse Quartett sein zweites Album »Obenland« und manifestierte damit seinen Status in der europäischen Jazzszene. Es folgten hervorragende Reaktionen der Medien, Einladungen zu Festivals und internationale Konzertreisen, die die Band bis nach Asien, Mittel- und Südamerika führten. Als »wild, romantisch, elegisch, packend« beschrieb ein Kritiker der JazzThing die Musik von »Obenland«, im Weser Kurier wurde die »bestechend exakte Verzahnung« der Band hervorgehoben. Ein Kollege der FAZ befand: »Vieles entwickelt sich fließend, typische Grenzen zwischen Komposition und Improvisation lösen sich unmerklich auf. Dank interessanter Melodien und Harmonien ist der Jazz des Eva Klesse Quartetts für unterschiedliche Hörer attraktiv und doch weit vom Mainstream entfernt.«

Nun also das dritte Kapitel dieser künstlerischen Erfolgsgeschichte: »miniatures – ten songs for chamber jazz quartet«. Sein Titel weist die Richtung, in die das ästhetische Pendel diesmal tendiert. Während auf »Obenland« viele recht lange Stücke mit großer Dynamik und weiten Bögen fesselten, klingt das neue Album insgesamt inniger und klarer. Geblieben ist die spannende Interaktion unterschiedlicher Spielhaltungen und Charaktere, die viel zur besonderen Ausstrahlung des Quartetts beiträgt. Ebenso das aufmerksame gegenseitige Zuhören, sich gegenseitig Platz einräumen. Und das feine Gespür dafür, intensive Geschichten ohne Worte zu erzählen.

»Die Musik ist kondensierter, Improvisationen sind stärker mit den Kompositionen verzahnt«, beschreibt Pianist Philip Frischkorn die Entwicklung. Eva Klesse führt weiter aus: »Unsere Idee war diesmal, konkretere Bilder zu malen. Darüber hinaus ging es darum, eine gewisse Sparsamkeit, eine Ruhe auszuhalten.« Man kann und darf das als Statement zu einer gesellschaftlichen Entwicklung lesen, in der Lauthälse und ungebremstes Getöse die Oberhand zu erlangen scheinen. Tatsächlich geht es der Band aber vor allem um eine künstlerische Aussage. Immerhin fällt es Jazzmusikern auch nicht immer leicht, Sparsamkeit auszuhalten. Philip Frischkorn, von je her der Klassik und klassischen Moderne zugeneigt, hat sich neue Parameter gesetzt, innerhalb derer er sich bewegt. »Diesen Herbst habe ich damit experimentiert, vor dem Komponieren zunächst das Tonmaterial festzulegen.Ich wollte innerhalb von strengen Grenzen nach Möglichkeiten für improvisative Freiheit suchen. Als Improvisator reisst man die Grenzen nicht ein, sondern man funktioniert sie zärtlich um.« Kein Wunder, dass Frischkorns individuelle Skalen lebendiger und weit weniger streng klingen als historische Reduktions-Konzepte, etwa serielle oder Zwölftonmusik.

Die persönliche Herangehensweise der Komponisten – neben Frischkorn haben Evgeny Ring und Eva Klesse Stücke geschrieben – fällt recht unterschiedlich aus, was viel zur subtilen Spannung des Albums beiträgt. Zudem entwickeln einige Stücke eine überraschende Dynamik. Etwa Frischkorns anfangs fast impressionistisch anmutendes »M.'s Dreaming«, dessen verhaltene Stimmung nach einer guten Weile jäh umschlägt. Rings »Orm« verschmilzt schnelle Klavier-Arpeggien, rhythmische Verwirbelungen und markante Saxophonphrasierungen zu einem eindrucksvollen Strom, der das philosophische Konzept, von kreativer Energie durchströmt zu werden, höchst lebendig macht. Klesses Stücke, die oft als Songs ohne Worte figurieren, reflektieren konkrete Lebenssituationen.

Eingespielt wurde »Miniatures« wieder im Kölner »Loft«, dessen Raum intime Atmosphäre garantiert. Am ersten Abend ließ das sensible Quartett ein öffentliches Konzert mitschneiden, aus dem »Gravity« direkt auf die Platte wanderte; die übrigen Stücke des Albums wurden am folgenden Tag nacheinander aufgenommen, zwar ohne Publikum, aber live gespielt. Es ist zu spüren, dass die Band perfekter denn je aufeinander ein- und abgestimmt agiert.

Im Frühjahr 2018 wurde Eva Klesse als Professorin für Jazzschlagzeug an die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover berufen, 2017 wurde die Bandleaderin mit dem Westfalen-Jazz-Preis ausgezeichnet. Die Jury schrieb dazu, »Klesse beeindruckt mit einem dynamischen Spiel, beherrscht feinste Nuancen und zarteste Töne. […] Sie ist kreative Gestalterin mit identifizierbarer Handschrift und kongeniale Partnerin zugleich.«

Der charakteristische Sound des Eva Klesse Quartetts wirkt auf »miniatures« detailschärfer und transparenter denn je. Viele kammermusikalische Feinheiten, klare oder klug verästelte Kompositionen und ausbalancierte Improvisationen lassen rund 50 Minuten schnell vergehen. Konzeptionelle Gedanken und die daraus resultierende Fokussierung zeigen eine überzeugende künstlerische Entwicklung. Die Ausdruckstiefe der Band führt zu einer musikalischen Erzählkunst, die im internationalen Umfeld souverän bestehen kann. Mit solchen Musikerpersönlichkeiten kann der Jazz zukünftig nicht nur langjährige Anhänger des Genres glücklich machen, sondern auch neue Liebhaber finden.


 
 
Evgeny Ring, Eva Klesse,
Stefan Schönegg, Philip Frischkorn
Foto: Sally Lazic







 
 
 
Freitag, 15.03.2019 | 19.30 - ca. 21.30 Uhr  
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