54. Spielzeit | 2020/2021
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Grußwort des Theaterleiters
Christian Federolf-Kreppel
im September 2020
Liebe Theater- und Konzertfreunde!

»Wir wollen spielen… aber nicht mit Ihrem Vertrauen und Ihrer Gesundheit« – dieser Slogan sagt sehr viel über die Wochen seit Mitte März aus, in denen unser gewohnter Alltag und unser Leben von der Corona-Krise und den Reaktionen darauf auf den Kopf gestellt wurden. Ein monatelanges Leben ohne Theatererlebnisse und Konzerthöhepunkte tut richtig weh. Meine Gedanken und Sorgen sind bei allen Menschen im Kulturbereich, die durch die ungewollte Auszeit vor existentiellen Problemen stehen. Leider können punktuelle Hilfsprogramme diese meist nicht lösen. Mir blutet das Herz, wenn eine Bayerische Staatsoper vor nur 200 Menschen spielen darf oder – um in die lokale freie Kultur zu schauen – die Schweinfurter Kulturwerkstatt Disharmonie vor nur 30 Personen spielen kann.

Eine neue Studie vom Juni 2020 erinnert an die gesamtwirtschaftliche Bedeutung der Veranstaltungsbranche, die mit etwa 1,5 Millionen Mitarbeiter/innen und einem Umsatz von an die 130 Milliarden Euro als sechsgrößte Wirtschaftsbranche in Deutschland dasteht. Insgesamt liegt die Branche auf Platz 2 bei den Beschäftigtenzahlen. Die gesamte Branche erlebt eine Krise, die in einem ungeahnten Ausmaß jeden Einzelnen betrifft, wobei niemand letzten Endes weiß, wie es weitergehen soll, darf, wird. Ich habe mich an das »Fahren auf Sicht im Nebel« noch immer nicht gewöhnt. Es ist betrüblich und deprimierend, dass man viele Fragen, die einem Künstler oder Publikum stellen, einfach nicht beantworten kann. Denn ein allgemein gültiges Konzept existiert nicht.

Es gibt in dieser latent angespannten Situation, die uns alle betrifft, auch die Entwicklung, dass man zusammenrückt in der Gemeinschaft, in die man durch Corona gezwungen wurde. Ich führe viele intensive Gespräche, in denen immer die Suche nach Lösungen nach einem Weiter in einer vielleicht besseren Zukunft mitschwingt. Oft geht es da um Werte, die in den letzten Jahren durch unseren Alltag voller Digitalisierung und dem Streben nach immer »Schneller« und »Mehr« in den Hintergrund getreten sind. Das macht Hoffnung!

Apropos Hoffnung: unserem hochgeschätzten Publikum haben wir seit März viel zugemutet. Zuerst konnten 50 Vorstellungen nicht stattfinden. Das Verständnis der Betroffenen war durchwegs sehr groß. Die Spendenbereitschaft, die verfallenen Karten dem Theater zu spenden, hat uns wirklich überrascht und belegt, wie vielen Menschen das Schicksal des Theaters wirklich am Herzen liegt. Ein herzliches Dankeschön jedem Einzelnen von Ihnen! Dann mussten wir die Abonnements für die jetzt anlaufende 54. Saison des Theaters aussetzen, weil wir nach aktuellen Vorgaben pro Vorstellung nur maximal 200 Menschen unterbringen können – ein nicht leichter und auch bisher einmaliger Schritt in der Geschichte unseres Hauses. Auch hier gibt es großes Verständnis, aber natürlich auch einen erheblichen Beratungsbedarf, dem sich unser engagiertes Team gerne stellt. Informieren können Sie sich auch immer auf unserer Homepage, wo wir alles Aktuelle kommunizieren.

Als Abonnent behalten Sie das Anrecht auf Ihren Platz wie bisher, sobald wir wieder unter normalen Bedingungen spielen können. In der kommenden Saison aber müssen Sie Ihre Karten im Freiverkauf erwerben und hierfür eine schriftliche Bestellung abgeben. Sie haben ein Vorverkaufsrecht für die ganze Saison. Der reguläre Freiverkauf beginnt am Samstag, 12. September, zunächst nur für die Veranstaltungen bis Ende Oktober. Wir wollen spielen! Und wir werden das auch – ab dem 23. September unter strenger Einhaltung aller herrschenden Abstands- bzw. Hygienereglungen im Zuschauerbereich wie im Bühnenhaus. Wir tun alles, um die Sicherheit zu garantieren. Eine wichtige Information hierzu: unsere Klimaanlage saugt bis zu 100% Frischluft an, die dann auch wieder abgesaugt wird. Es findet also keinerlei Austausch oder »Verwirbeln« statt.

Unsere Freude, wieder für Sie da sein zu können, ist wirklich riesengroß! Der Spielplan 2020/2021 ist bereits im Frühjahr im Stadtrat einstimmig verabschiedet worden. Seitdem hat es einige Änderungen gegeben, die sich aber in Maßen halten: Leider kann die geplante Vorstellung am 24. September von »Le Coup« (Australien) nicht stattfinden. Es konnte jedoch ein mehr als gleichwertiger Ersatz für den gleichen Tag und auch den 23. September gefunden werden: LEO (Y2D Productions), eine nonverbale Physical Comedy Show, die mit internationalen Auszeichnungen überschüttet wurde. – Da das Landestheater Detmold die notwendigen Orchesterproben für die Opernproduktion »Turandot« wegen der Corona-Sicherheitsbestimmungen nicht durchführen konnte, kam die Produktion nicht zustande. Auf der Suche nach einem Ersatz in der Opernwelt wurde mit »La Traviata« der Compagnia Nuova ein Schatz gehoben, auf den man sehr gespannt sein kann. Die Termine bleiben bestehen mit einer Ausnahme: die ursprünglich für den 1. November angekündigte Vorstellung wird auf den 2. November verschoben. – Da die Jon Lehrer Dance Company New York in den Staaten nicht proben durfte, kommt »Bernstein Celebration« nicht auf Europatournee. Stattdessen gibt es ein Wiedersehen mit dem Bayerischen Junior Ballett München, das sein »Beethoven- & Orff- Programm« zeigen wird.

Zusatzvorstellungen mit jeweils gleichem Programm präsentiert am 18. Oktober um 16.30 Uhr die Filharmonie Brno. Der Operettenklassiker »Wiener Blut« ist am 19. Oktober auch um 19.30 Uhr zu sehen. Und der Jahrhundertpianist Grigory Sokolov wird nicht nur am 13., sondern auch am 14. November eine erneute Kostprobe seines grandiosen Könnens abliefern, was mich sehr glücklich macht.

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen verbleibe ich als Ihr

Christian Federolf-Kreppel | Theaterdirektor
im September 2020