53. Spielzeit | 2019/2020
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Grußwort des Theaterleiters
Christian Federolf-Kreppel
im April 2020
Liebe Theater- und Konzertfreunde!

Vor vierzehn Jahren begann ich das Vorwort für den ersten Spielplan, den ich für unser wunderbares Haus vorgelegt habe, mit den Worten »Die Bühne ist die Quelle von alledem, was das Leben erstrebenswert- und lebenswert macht. Theater kann die Werte übermitteln, nach denen wir täglich streben. (…) Theater spiegelt die Zeit und reagiert auf sie. Theater eröffnet Erlebniswelten, kann Zufluchtsort sein und ist unverzichtbares ›Lebensmittel‹ für die Gesellschaft.« Und wenn die Kultur auch nur eine »qualifizierte Minderheit« anspricht, so ist sie doch eine unverzichtbare Quelle der Inspiration im Alltag. Hier geschehen Reflexionen, hier können Visionen ihren Anfang finden. All dies gilt heute nach wie vor.

Dieses Vorwort schreibe ich in der Nacht vom 2. zum 3. April – gerade melden die Nachrichtenportale, dass weltweit eine Million mit dem Coronavirus Infizierte in fast allen Ländern unseres Globus nachgewiesen sind. In Deutschland sind aktuell über 1.000 Menschen der Pandemie erlegen. Es ist etwas nie da Gewesenes über uns hereingebrochen: Den nahezu völligen Stillstand des gesellschaftlichen Lebens infolge der Ausgangsbeschränkungen hat es auch in den Weltkriegen in dieser Form nicht gegeben. Alle Freizeitaktivitäten, die die Kultur- und Kreativwirtschaft oder auch der Sport anbieten, sind in realiter nicht existent... und das auf unabsehbare Zeit. Die komplexen Folgen, die wir schon nach ein paar Tagen am eigenen Leib merken, sind nichts im Vergleich zu den Aufgaben, die in den Händen der Politik liegen, wenn es um das Gesamtwohl aller im Staat geht.

Ich habe auf das alles keine Antworten. Das gebe ich unumwunden zu. Ich mache mir Sorgen um meine Nächsten, um Freunde, Bekannte, um unser Theater wie natürlich die so wundervolle gesamte Kulturlandschaft und um die Gesellschaft im Allgemeinen. Verstehen Sie mich bitte nicht falsch, keinesfalls möchte ich mich auf die Position des Beobachtenden im Hintergrund zurückziehen. Im Gegenteil, alle im Augenblick still gelegten städtischen Kultureinrichtungen unserer Stadt übernehmen – und das sehe ich als eine Pflicht an – Aufgaben in der Stadtverwaltung, beim Landrats- und auch Gesundheitsamt. Ein dutzend Mitglieder des Theaterteams aus Verwaltung und Theatertechnik sind hier ebenfalls aktiv. Ein herzliches Dankeschön für die vorbildliche, schnelle wie unkomplizierte Bereitschaft!

Seit dem 14. März ist die Bühne des Theaters verwaist. Ich weiß heute nicht, wann und wie es weitergehen wird. Dennoch (!) sehe ich hoffnungsvoll in eine bessere Zukunft und lege Ihnen das erneut mit viel Herzblut entstandene kommende Jahresprogramm vor, das wir im Frühjahr auch verschicken werden. Wie Sie wissen, entsteht ein Jahresspielplan unseres Zuschnitts in einem langjährigen, kontinuierlichen Prozess. Die letzten Wochen waren aufgrund der täglichen Gespräche mit Künstlern, Theatern und Agenturen, die von der aktuellen Situation überrollt wurden, sehr intensiv und auch oft emotional. Was uns alle verbindet, ist der Blick nach vorne in eine »Zeit danach«, wo Kultur – und da bin ich sicher – eine bedeutende und ganz besondere Rolle in unserer Gesellschaft haben wird.

So freue ich mich sehr, Ihnen meinen nunmehr fünfzehnten Spielplan präsentieren zu können. Ich habe mir sehr viel Mühe gegeben, die Vorteile eines blühenden Gastspielhauses auszunützen und Ihnen – wie Sie es von mir gewohnt sind – eine hochkarätige, spannende wie fordernde sinnvolle Vielfalt anzubieten. Wir haben uns mit der Entscheidung klarer, übersichtlicher und prägnanter sein zu wollen, entschlossen, das Layout des Jahreshefts zu ändern. Gute Schwarzweißfotos haben eine besonderen Reiz in unserer von Bildern überfluteten Medienwelt. Ich bin sehr gespannt, wie Ihnen das geänderte Erscheinungsbild gefallen wird!

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Theater- und Konzertfreunde. Ohne Publikum gibt es keine Kultur. Das wird uns im Moment täglich aufs Neue schmerzlich bewußt. Ich bitte Sie herzlich, sobald eine Form von Alltag wieder möglich ist, und sich das gesellschaftliche Leben normalisiert, die Angebote der Kultur um Sie herum nicht zu vergessen. Wir werden für Sie da sein und alle Besucher mit offenen Armen empfangen. Bis dahin passen Sie bitte auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Ein Anliegen ist es mir, mich bei meinem Theaterteam sehr herzlich zu bedanken. Viele sind, wie geschildert, außerhalb des Theaters aktiv. Im Haus geht der Betrieb aber auf kleiner Flamme weiter. Die Planungen für die Generalsanierung laufen und halten uns wie in den letzten Jahr auf Trab. Dennoch sehnen wir uns alle danach, unser verwaistes Haus wieder im Spielbetrieb atmen und leben zu sehen!

Auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen in Ihrem Theater der Stadt Schweinfurt!

Mit herzlichen Grüßen und besten Wünschen verbleibe ich als Ihr

Christian Federolf-Kreppel | Theaterdirektor
im April 2020