51. Spielzeit | 2017/2018
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Vorwort des Theaterleiters Christian Kreppel 2010/2011

Sehr geehrte Damen und Herren, liebes Publikum!

Es ist ein bekanntes Phänomen, dass Theater in schwierigen Zeiten vielleicht gerade deshalb sein Publikum verstärkt findet, weil die Menschen bewusst oder auch oft unbewusst auf der Suche sind und sich in der großen Vielfalt des Theaters wiederfinden. Die Aufgabe, Ihnen als Theaterleiter dieses wunderschönen Hauses nun zum fünften Mal ein qualitätvolles Programm mit Profil und Forderung präsentieren zu dürfen, erfüllt mich mit Stolz. Ich stelle mich auch diesmal dieser Verantwortung mit großer Freude – im Bewusstsein welchen Stellenwert diese Kulturinstitution nicht nur in der Stadt und Region sondern auch weit darüber hinaus hat. Ich lebe nun seit fast fünf Jahren in Schweinfurt und weiß, für wie viele Menschen die Arbeit dieses Theaters oft unverzichtbarer Bestandteil des täglichen Lebens ist. Ein herzliches Dankeschön an dieser Stelle für die vielen positiven Reaktionen und schönen Gespräche. All das ist mir Ansporn. Dank natürlich auch dem Stadtrat, der geschlossen hinter dem Theater steht, und allen städtischen Ämtern, die uns wohlwollend unterstützen. Dank schließlich auch der Kulturstiftung Schweinfurt, unseren Sponsoren und nicht zuletzt dem Kooperationspartner Deutsche Bahn.

Nachdem das Programm für die 44. Saison des Theaters Schweinfurt in gut zweijähriger Vorbereitung zusammengestellt war, fiel es mir recht leicht, ein Motto zu finden. Denn die zeitlosen und auch so aktuellen Begriffe “Verlust und Hoffnung” durchziehen das gesamte Sprech- und Musiktheater. Wichtig ist mir insbesondere der Begriff der “Hoffnung”. Wie viele Menschen verlieren in diesen Tagen, scheinen zu scheitern. Wie wichtig ist da der Blick nach Vorne, eben die “Hoffnung”, aus ausweglos scheinenden Situationen doch einen Weg zu finden. Im Füllhorn Theater findet man Stoffe, die hier hilfreich sind!

Beginnen wir bei der Faszination Sprechtheater. Ich habe bewusst packende Zeitstücke ausgewählt. Aus den USA: “Zweifel” (Shanley) – es geht um einen Verdacht des Missbrauches in einer kirchlichen Institution. Die Erfolgsinszenierung der Hamburger Kammerspiele “Frost/Nixon” (Morgan) – ein authentischer Politthriller. Aus England: “Harper Regan” (Stephens) – die Odyssee einer verheiraten Mutter, die aus ihrem alltäglichen Leben ausbricht (Tourneepremiere im Januar). Aus den Niederlanden: “Das Interview” (van Gogh) – das Aufeinanderprallen “zweier Exponenten der Mediengesellschaft” mit allen seinen Konsequenzen. Aus Deutschland: zwei Stücke von Lutz Hübner: in “Dream Team” (Jugendstück) erlebt man das Schicksal zweier Außenseiter und staunt ob der Schnelligkeit, mit der sich die beiden Jugendlichen ins Abseits bringen. In “Blütenträume” wird die Generation 50 plus vorgeführt und ihre Versuche, Partnerschaft zustande zu bringen. Die Generation 70 plus hingegen zeigt Gedeon in seinem Songdrama “Ewig jung” mit einer großen Prise musikalischem Humor. Die hochkarätig besetzte Kultaufführung des Renaissance Theaters Berlin (u.a. mit Angelika Milster, Dieter Landuris, Anika Mauer und Guntbert Warms). – Dagegen stehen die Zeitlosigkeit von “Endstation Sehnsucht” (Williams) und von Borcherts leider noch immer so aktuellem Heimkehrerstück “Draußen vor der Tür”. – Stichwort: “Keine Angst vor Klassikern!” Ich präsentiere Ihnen Kleists “Käthchen von Heilbronn”, Shakespeares “Romeo und Julia” in einer frischen und spannenden Inszenierung, sowie in der jeweiligen Originalsprache Shaws “Pygmalion” und Molières “Le Malade imaginaire”. Ich freue mich auf das Schweinfurt-Debüt von Katharina Thalbach in “Der Raub der Sabinerinnen” (sie wird nicht nur u.a. mit ihrer Tochter Anna spielen, sondern auch inszenieren), von Leonard Lansink und Heinrich Schafmeister in “Oscar und Felix”, sowie von Sonia Hausséguy und Werner Wölbern in “Das Interview” und Rebecca Mosselmann, Ralf Stech und Andreas Klaue in “Endstation Sehnsucht”. Des Weiteren zum ersten Mal bei uns auftreten werden Aglaia Szyszkowitz und Walter Sittler in dem Bestseller “Gut gegen Nordwind” (Glattauer). Ein Wiedersehen gibt es u.a. mit Ron Williams in “Die Nelson Mandela Story”, Walter Plathe in “Zille”, Hardy Rudolz in “Das Feuerwerk”, Claudia Rieschel und Michael Altmann in “Blütenträume”, Volker Lechtenbrink in “Frost/Nixon”, Marion Kracht in “Harper Regan” sowie Cordula Trantow in “33 Variationen”.

Faszination Musiktheater. Ein weiteres Motto der kommenden Saison lautet “Die Oper lebt!”. Es gibt ein breites und abwechslungsreiches Angebot, das sich nicht nur an die Opernfreunde richtet. Zum ersten Mal in Schweinfurt wird Wagners “Das Rheingold” in einer hoch gelobten Inszenierung des Landestheaters Detmold zu erleben sein, wo in den letzten Jahren mit großem überregionalem Echo der ganze “Ring” in der Regie des Intendanten Kay Metzger erarbeitet wurde. Dann steht Beethovens Befreiungsoper “Fidelio” in einer der letzten Inszenierungen von Johannes Felsenstein mit dem Anhaltischen Theater Dessau auf dem Programm. Weiters Verdis “La Traviata” in einer Aufführung der rumänischen Staatsoper “Elena Teodorini” Craiova. Eine zusätzliche Erstaufführung, nämlich Händels “Ariodante” bringt ein Wiedersehen mit dem Münchner Ensemble “così facciamo”. Den Ariodante wird die wunderbare Olivia Vermeulen singen. Die Inszenierung liegt in den Händen von Kobie van Rensburg, der weltweit auch als Sänger gefeiert wird. “Die Zauberflöte – eine Prüfung” möchte ich insbesondere auch allen Familien und Freunden des Puppentheaters ans Herz legen. Die Umsetzung der großen Märchenoper mit Puppenspiel, das projiziert wird, einem Kammerensemble und einem fabelhaften Counter-Tenor ist mehr als faszinierend. An die Schulen richtet sich “Die Zauberflöte – Bravo, bravo Papageno”. Und wer Michael Quast liebt, darf seine geniale, auch bei den Salzburger Festspielen gefeierte Version des “Don Giovanni” keinesfalls versäumen. Selbstverständlich soll die leichte Muse nicht zu kurz kommen. Es mir gelungen, für den Jahreswechsel das Operettenmeisterwerk von Johann Strauß “Die Fledermaus” zu engagieren. Dazu kommen “Das Feuerwerk” (Burkhard), “Der Bettelstudent” (Millöcker), “Paganini” (Lehár) und die “Wilde Auguste” (Kollo). – Im Dezember gibt es einen hochkarätigen Musicalhit: in “Jekyll & Hyde” werden Yngve Gasoy Romdal und Leah Delos Santos die Hauptrollen übernehmen.

Faszination Tanz. In den letzten vier Jahren ist es geglückt, mit dem internationalen Tanz-Angebot Tanzfans bis Thüringen, Frankfurt/Main und Kassel zu erreichen. Vielen Dank für viele enthusiastisch gefeierte Aufführungen. Auf vielfachen Wunsch wird das Tanz-Abo um eine Vorstellung erweitert. Damit besteht dann die Möglichkeit, ein noch breiteres Spektrum zu präsentieren. Ich freue mich auf ein Wiedersehen mit “Philadanco” (anlässlich des 40-jährigen Jubiläums), das Debüt des New Yorker “Ballet Hispanco” (Schwerpunkt: lateinamerikanischer Tanz), sowie auf das erneute Engagement des Salzburg Ballett Peter Breuer mit “Der Kuss” (inspiriert von Rodins Meisterwerk mit Musik von Ravel, Debussy und Poulenc). Es folgen drei weitere Erstengagements: “Aditi Mangaldas” aus New Dehli, “Cisne Negro Dance Company” aus São Paulo und das “ThüringenBallett Gera” mit Strawinskys “Der Feuervogel” und “Le Sacre du Printemps”. Ich habe wieder versucht, ein abwechslungsreiches spannendes Paket zu schnüren. Außerhalb der Tanz-Reihe gibt es mit Edward Griegs “Peer Gynt” klassischen Tanz mit großem Orchester im Januar. Und noch einen Höhepunkt für alle Tanzfreunde: Beim renommierten Movimentos Festival in der Autostadt Wolfsburg habe ich das australische “Bangarra Dance Theatre” aus Sydney kennen gelernt und war begeistert. Die Erfolgsproduktion “Spirit” wird in Schweinfurt im Februar seine Tournee-Premiere feiern.

Faszination Konzerte. Die gut 25 klassischen Konzerte pro Saison sind ein festes Standbein des Theaters. Erfreulich ist die hohe Auslastung nicht nur bei den großen Symphoniekonzerten sondern auch im stimmungsvollen Foyer, wo sich unterdessen pro Veranstaltung bis zu 150 Konzertfreunde versammeln und jedes Mal vom wunderbaren Rahmen begeistert sind. Wie gewohnt acht Mal werden die “Bamberger Symphoniker” zu Gast sein und große Symphonik, spannende Solisten und mehr als überzeugende Dirigenten im Gepäck haben. Als Ergänzung habe ich Einladungen an das Bundesjugendorchester, die Salzburg Chamber Soloists und die Robert Schumann Philharmonie Chemnitz ausgesprochen. Es gibt ein Wiedersehen mit Grigory Sokolov und dem Los Angeles Guitar Quartet. Mit dem Etikett “Das ‘andere’ Konzerterlebnis” übertitele ich Angebote, die etwas abseits des Gewohnten absolut meine Empfehlung haben. So versprechen das israelische Percussionsduo “PercaDu” und die englische Kultformation “The Ukulele Orchestra of Great Britain” fantastische, aber eben etwas “andere” Erlebnisse. Im Foyer erwartet Sie eine abwechslungsreiche Mischung: “Melancholie und Burleske” ebenso, wie “If music be the food of love”, Jiddisches Liedgut mit “Gefilte Fish”, Sax Allemande und nicht zuletzt das Violoncellorezital mit Maximilian Hornung.

Theater muss begeistern, packen und faszinieren! Ich wünsche mir, dass der hier vorliegende Spielplan genau das immer wieder schafft und sie zu vielen Besuchen anregt! Wichtig: am Samstag, den 3. Juli beginnt die Abo-Einschreibung! Zum Abschluss wieder einmal ein großes Lob und Dank dem engagierten Theaterteam und auch Christoph Thein, mit dem ich nun zum fünften Mal ein Spielplanbuch erarbeitet habe.

Mit sehr herzlichen Grüßen!

Christian Kreppel
Theaterleiter